Migräne & Stress: eine revolutionär neue Betrachtungsweise

Höllische Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit – in Österreich leiden 10 % der Bevölkerung, also etwa 800.000 Menschen, an Migräne. Diagnostik und Therapie der Migräne fällt in den Zuständigkeitsbereich der Neurologie.

In den letzten Jahren hat die Hirnforschung interessante neue Einblicke in die Erkrankung erzielt. Vieles spricht inzwischen dafür, dass Fehlfunktionen im Hirnstamm der Migräne zugrunde liegen. Dort sitzt ein wichtiger Verschaltungsknoten für Kopfschmerzen, der bei Migräne-Leidenden besonders empfindlich ist. Außerdem enthält der Hirnstamm Nervenzentren, die wichtige Körperfunktionen kontrollieren und auch bei Stress oder psychischem Druck ansprechen.

Viele Betroffene suchen verzweifelt nach den Ursachen für ihr Leiden und führen es auf das Wetter und andere Umwelteinflüsse zurück. Andreas Straube, der Leiter der Kopfschmerzambulanz an der Uniklinik München-Großhadern, hält das für vergebliche Mühe: „Die einzelnen Auslöser werden überbewertet, denn Kopfschmerzen sind eine Art Stresserkrankung“.

„Als Migräneauslöser sind nur Alkohol und weibliche Hormone eindeutig durch Studien belegt“, so der Kopfschmerzforscher Hans-Christoph Diener. Die Sicht auf diese Volkskrankheit Nummer eins hat sich grundlegend gewandelt. Mediziner glauben heute, dass Migränepatienten ungewöhnlich wach und sensibel sind. „Ihr Gehirn kann nicht so gut abschalten, steht immer unter Hochspannung und wird bei Stress leicht überlastet“, erklärt der Neurologe Hartmut Göbel.

„Kopfschmerzen und Migräne gelten heute als Symptome psychischer Überlastung, die man am besten durch gezielte Entspannungsübungen behandelt“, so Diener.

„Wir müssen Patienten resistent machen gegenüber Störreizen und Stress“, fasst Göbel das Ziel einer modernen Kopfschmerztherapie zusammen. Dann können ihnen potenzielle Migräneauslöser nicht mehr viel anhaben.

Quellen:

Migräne in Österreich Journal für Neurologie Neurochirurgie und Psychiatrie 2008; 9 (4), 76